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Historie

Kollektivbetrieb im Wandel der Zeiten: 

hansadruck: Ein Stück Kieler Zeitgeschichte

Das Gebiet östlich des Knooper Weges wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erschlossen. Auf dem Gelände der Hansastraße 48 wurde das »Holsteinische Brauhaus« (Marke »Hobra-Bräu«) 1908 erbaut. Die Lage war für eine kleine Brauerei optimal, weil die Auslieferungswege damals möglichst kurz sein mussten.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Brauerei mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und 1928 wurde sie endgültig aufgegeben. In das Gebäude zogen wechselnde Gewerbebetriebe ein, unter anderem eine Sauerkrautfabrik.

Die Nutzung wechselte noch mehrmals. Längere Zeit war eine Sanitärfirma Eigentümer und Hauptnutzer. Die Erben verpachteten einen Großteil des Geländes als Auslieferungslager an die Berliner Schultheiss-Brauerei. Die oberen Stockwerke wurden Ende der 70er Jahre nach und nach als Wohnraum an studentische Wohngemeinschaften vermietet.
Nach dem Tod der letzten Eigentümerin und nachdem Schultheiss Kiel verlassen hatte, kaufte Anfang 1981 die Wankendorfer Baugenossenschaft Gelände und Gebäude »auf Abriss«, um neue Eigentumswohnungen zu errichten.

Am 26. März 1981 besetzten die Bewohner mit der Unterstützung von Freunden das Gelände. Die Bewohner gründeten einen Verein, der das Haus von der Wankendorfer Baugenossenschaft erwerben konnte und noch heute Eigentümer des Geländes ist.
Um ihre Vision vom »Leben und Arbeiten unter einem Dach« umzusetzen, richteten die Bewohner verschiedene Werkstätten, ein Kommunikationszentrum und einen Kinderladen ein.

Unter anderem entstanden eine Autowerkstatt, eine Fahrradwerkstatt und eine Druckerei. Ursprünglich als reine Selbsthilfewerkstätten ohne kommerzielle Ausrichtung betrieben, entwickelten sich einige davon schnell zu professionellen Betrieben. Einer der Bewohner, der nach abgeschlossenem Englisch- und Kunststudium umgesattelt hatte, zog mit der Autowerkstatt auf den Nachbarhof um. Heute ist er Chef von »Joe’s Garage« und Obermeister der Kfz-Innung in Kiel.

Im Umfeld der Neuen Sozialen Bewegungen entstanden in den 1970er und frühen 1980er Jahren in vielen Städten alternative Zeitungen.

Die meist anzeigenfinanzierten Blätter berichteten über Lokalpolitik und Alternativkultur und warteten – in den Vor-Internet-Zeiten in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen – mit einem Veranstaltungskalender auf. Sie schufen Gegenöffentlichkeit und richteten sich gegen die konservativen Monopolblätter der Städte, in Kiel gegen die Kieler Nachrichten. Die als ,Stattzeitung‘ konzipierte Kieler Rundschau (KR) und der Spökenkieker, aus der später die Kieler Monatszeitschrift (MOZ) hervorging, sind heute weithin vergessen. In den 1980er Jahren entwickelten sie neben den studentischen Zeitungen im links orientierten alternativen Milieu der Landeshauptstadt durchaus Einfluss und entfalteten über die Setzung neuer Themen langfristige Wirkung. 

 

Die Druckerei in der Hansa 48 entstand in diesem Umfeld. Bald nach der Besetzung im März 1981 wurde ihren Bewohner*innen eine ausgemusterte AM-Multilith geschenkt, um eine „faire Berichterstattung“ per Flugblatt zu ermöglichen. Hinzu kam eine Druckmaschine der Roten Zellen, der Student*innengruppe des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW), welche angesichts eines befürchten Verbots fünf Jahre zuvor in einer Scheune auf dem Land eingelagert worden war. Sie war das Startkapital der projekteigenen Druckerei namens hansadruck, die ihren Betrieb in der ehemaligen Abfüllung der Brauerei (heutige Unterhausküche) startete. Kollektiv betrieben wurde sie von sechs Student*innen, die sich so, durchaus attraktiv, im Nebenerwerb Geld dazuverdienten. Praktische Vorerfahrungen gab es so gut wie nicht, ein Bewohner jobbte nebenbei als Aushilfe bei Kiel Color. Gedruckt wurden Flugblätter, studentische Zeitungen und die Hansa-Programme: in schwarz-weiß, zuerst ausschließlich im DIN A4-Format, oft kostenlos. Der erste ,richtige’ Kunde war der Kreisverband der Grünen, der hier seine Mitgliederzeitung drucken ließ. Eine gewisse Affinität zu den Grünen besteht bis heute. Für diese Partei engagieren sich die drei Gesellschafter auf kommunaler Ebene in ihren Wohnorten. 

 

Im März 1986 wurde die kollektiv betriebene Selbsthilfewerkstatt als Gewerbebetrieb angemeldet. Der unternehmerische Neustart begann auf überschaubarem Niveau. Die 600 DM, die man zum Kauf einer gebrauchten DIN-A3-Druckmaschine vom AStA der Fachhochschule Kiel benötigte, wurden vom Hausverein ausgelegt, bedeuteten aber den Einstieg in den Druck größerer Formate. 1987 wurde die Druckerei im Zusammenhang mit den Hansa-Aktivitäten in der Volkszählungsboykottbewegung ohne greifbare Ergebnisse durchsucht. Die erste richtige Druckmaschine, eine Heidelberger KOR Baujahr 1963, kam 1988 und damit der Einstieg in den professionellen Offsetdruck. Ähnlich der Hansa-Anleihe war sie über Bekannte und Freund*innen privat finanziert, denn bankenüblich kreditwürdig war die Druckerei zu dieser Zeit noch nicht. 1993 bezog hansadruck den in der Hausgemeinschaft durchaus umstrittenen Neubau hinter dem Hauptgebäude, ein Jahr später wurde die erste neue, nicht gebraucht gekaufte Druckmaschine aufgestellt. Ihr folgten weitere. Einher ging die technische Aufrüstung mit einer zunehmenden Professionalisierung. Der Entscheidung für den Bau des Druckereigebäudes lag die Zielsetzung der damals Beteiligten zugrunde, ihr Haupteinkommen über die Druckerei zu erwirtschaften. 

 

Parallel dazu entwickelte sich der von Manfred Lang 1989 gegründete Langverlag als eigenständiger Betrieb. Er übernahm im Rahmen der beginnenden Digitalisierung des Druckereigewerbes zunächst den Satz und die Herstellung von Offsetfilmen für die analoge Druckplattenbelichtung von hansadruck, bald aber entstand daraus ein Dienstleister im gesamten Bereich der Druckvorstufe. Ab 2003 folgten sukzessiv Investitionen in mehrere moderne Computer-to-Plate-(CtP)-Anlagen. Heute arbeitet der Langverlag erfolgreich mit verschiedenen Druckereien, Agenturen und anderen Kunden in Kiel und Umgebung zusammen. Der Fokus liegt dabei auf der Druckplattenproduktion sowie der Aufbereitung von Daten für die Buch-, Broschüren- oder Katalogherstellung. 

 

Wie andere Projekte der Hansa 48 hatte die Druckerei als Kollektiv begonnen. Manche der tragenden Rahmenbedingungen bestehen bis heute, so eine nahezu freie Arbeitszeitwahl und das gemeinsame Mittagessen, wenngleich heute seltener selbst gekocht, sondern bestellt wird. Auch die ‚Drusi‘ (Druckereisitzung), auf der alle anfallenden Aufgaben und Entscheidungen über Investitionen und Gewinnverteilung beschlossen wurden, tagt noch immer, allerdings nur noch halbjährlich statt monatlich. Andererseits erwiesen sich die notwendigen Investitionen, die damit verbundenen Fragen der Kreditaufnahme und der ‚Kapitalneutralität‘ der Kollektivmitglieder sowie formal bedingte juristische Zwänge für das Kollektiv als Stresstest. Zur Jahrtausendwende wurde hansadruck nach kontroverser Diskussion in die Hansadruck- und Verlags GmbH und Co KG umgewandelt. Alle Kollektivmitglieder waren nun gleichberechtigte Gesellschafter*innen, zeitgleich wurden auf eigenen Wunsch erstmals abhängig Beschäftigte eingestellt. Unterschiedliche Prioritäten der Mitglieder des Inhaber*innenkollektivs im Spannungsfeld von Kollektivgedanken, politischem Anspruch und den Erfordernissen eines rentabel wirtschaftenden Betriebs unter kapitalistischen Bedingungen führten in internen Debatten zu unüberbrückbaren Widersprüchen. Fragen von Verlässlichkeit, inhaltliche Grenzziehungen und Konflikte im Zusammenhang mit dem unausgeglichenen Geschlechterverhältnis mündeten in einem faktischen Auslaufen der Kollektivform. Dazu traten auch persönliche Lebensentscheidungen. Langjährige Kollektivmitglieder verließen die Druckerei, neue Mitstreiter*innen kamen dazu. Seit 2004 gehören dem Inhaberkollektiv bei neun Angestellten noch drei Gesellschafter an. In dieser personellen Zusammensetzung besteht es bis heute.

 

Das Verhältnis zum Gesamtprojekt Hansa 48 hat sich in den Jahrzehnten verändert. Heute ist Arne Langniß als einziger Bewohner verblieben, persönliche Kontakte und die Druckerei als ‚Poststelle‘ sorgen nach wie vor für ein freundschaftliches Miteinander. Die Intensität der ersten Jahre, als vieles in Personalunion verbunden war, ist aber nicht mehr umsetzbar. Dennoch versteht sich die Druckerei nach wie vor als Teil der Hansa 48. 2023 wird das von hansadruck finanzierte Druckereigebäude für 1 Euro an die Hausgemeinschaft übertragen: als Pachtersatz für 30 Jahre Nutzung des Grundstückes. 

Über die Jahre veränderte und erweiterte sich auch der Kreis der Kund*innen. Druckte man zu Beginn fast ausschließlich für die ‚Szene‘, so trudelten schließlich auch Drittaufträge von außen ein. So wurden auch die Anfänge des im Jahre 1986 begründeten Straßenmagazins HEMPELS von hansadruck begleitet. Heute gehören die Zeitschrift Gegenwind. Politik und Kultur in Schleswig-Holstein & Hamburg oder so einzigartige Broschüren wie Einfälle statt Abfälle zum Programm. Noch immer nimmt hansadruck nicht jeden Auftrag an. Gewalt gegen Menschen und Tiere, Rassismus und sonstige Formen von Diskriminierung, die Verherrlichung von Militarismus und Pornographie werden abgelehnt, wobei dies anhand konkreter Beispiele über die Jahre immer wieder zu Diskussionen führte. Ist es opportun, Druckanfragen von Burschenschaften oder der CDU anzunehmen? Ausgeschlossen sind Druckaufträge der Bundeswehr und von Parteien und Organisationen der extremen Rechten. Nicht verändert hat sich der durchgängig ökologische Anspruch. Recycling-Papier, Gründach, ökologisch sauber erzeugter Strom, überhaupt ein sparsamer Ressourcenverbrauch gehören im Rahmen des Möglichen und Vertretbaren zum Selbstverständnis. Die Umstellung des Betriebes auf vollständig CO2-neutrales Drucken ist für 2022 geplant.

Heute ist hansadruck ein moderner Druckereibetrieb, der sämtliche Fertigungsschritte (Layout, Druckvorbereitung, Druck) anbietet und zudem selbst ausbildet. Die meisten der heute Beschäftigten gehen ihrer Arbeit im Haupterwerb nach. Die Zukunft wird wohl in starkem Maße von der Fähigkeit bestimmt sein, den Auswirkungen des technologischen Wandels im digitalen Zeitalter weiterhin zu begegnen. Waren einst auch kleine Druckereien ein durchaus lukratives Geschäft, änderte sich dies in den letzten Jahren zusehends. hansadruck konnte sich trotz Umsatzeinbußen gegen diesen Trend wirtschaftlich behaupten. Ist die Druckerei gegenüber anderen vergleichbaren Druckereien wegen ihres qualitativ konkurrenzfähigen Maschinenparks und ihres innerstädtischen Standort durchaus privilegiert, wirkt sich dieser – die Hansa 48 liegt in einem Wohngebiet – trotz baulich gestalteter Lärmabkopplung gegenüber den internetbasierten Großdruckereien mit einem 24-Stundenbetrieb nachteilig aus. Gesetzliche Auflagen zum Schutze der Nachtruhe der Anwohner*innen und nachbarschaftliche Rücksichtnahme verhindern eine zweite Schicht. Verzicht gehörte deshalb ebenso zum Programm. Zukunftsgewandte – zuletzt wurde erheblich in die Erneuerung des Intranet samt Server investiert – und über die Jahre selbstbeschränkende unternehmerische Entscheidungen tragen zum Erhalt von hansadruck bei. Neben den strukturellen Folgen der neuen, digitalen Arbeitswelt steht hansadruck auch vor betriebsbedingten Herausforderungen. Drei Personen, die die Geschicke der Druckerei lange mitgestalteten, treten voraussichtlich zum Jahresende 2021 nach 45 Jahren Arbeitsleben in den wohlverdienten Ruhestand. Der Generationswechsel ist eingeleitet, jüngere Mitarbeiter sind an dem dauerhaften Erhalt von hansadruck interessiert und sehen sich ab 2023 als Mieter des Druckereigebäudes. 

Gemeinsam, zuerst im Rahmen des Kollektives seit 1993, dann ab 2005 als alleinige Gesellschafter, arbeiten die drei ehemaligen Kollektivisten Rüdiger Voges, Thorsten Foit und Arne Langniß eng zusammen. Allerdings unterscheiden sie sich in der persönlichen Einschätzung der Entwicklung von hansadruck. Die Frage, inwieweit sich das einstige projekteigene Druckereikollektiv heute von einem ‚normalen‘ Betrieb unterscheide, beantwortet Rüdiger Voges, Bewohner der Hansa 48 bis 2001 und einst überzeugter Aktivist der Alternativbewegung, nüchtern-realistisch. Seine Illusionen über Leben und Arbeiten hätten sich zügig zerschlagen. Seine illusionslose Bestandsaufnahme im Persönlichen entspricht dem gesellschaftspolitischen Wandel, der seit den 1980er Jahren vonstatten ging und viele in dieser Zeit begründete Aufbrüche im grün-alternativen Milieu über die Jahre fundamental veränderte. Die Entwicklung von hansadruck wird von ihm weder bereut noch überhöht. Gewichtige Unterschiede zu anderen Druckereien sieht er nicht, mit einer allerdings – entscheidenden – Ausnahme: die egalitäre Entlohnung (brutto) aller Mitarbeiter*innen, der Gelernten wie der Ungelernten, der Gesellschafter wie der Angestellten, steht auch noch nach 40 Jahren.

 

Arne Langniß, ehemaliger gewerkschaftlich orientierter Betriebsrat und seit 27 Jahren Bewohner der Hansa 48, widerspricht dieser skeptischen Sichtweise: Natürlich sei der Druckerei-Betrieb Teil des gesellschaftlichen Wandels und des Systems, in dem er agiert. „Aber, auch wenn nicht alles umsetzbar war, so bleibt doch unterm Strich die Gewissheit, vielen Menschen in all den Jahren Freiräume in der Gestaltung ihres Arbeitsalltages ermöglicht zu haben, was so in herkömmlichen Betrieben nicht möglich gewesen wäre.“ Thorsten Voit, der dritte Gesellschafter und studierter Soziologe, ergänzt, dass „dies weiterhin zu gewährleisten auch zukünftig unser Anspruch“ sei. Lewin Röhl, einstiger Auszubildender im Druck, war zwischenzeitlich für knapp zwei Jahre zur St. Pauli-Druckerei gewechselt. Heute weiß er die erhalten gebliebene Andersartigkeit von hansadruck mehr denn je zu schätzen. „Viele Freiheiten erkennt man leider erst, wenn man sie nicht mehr hat. Diese letztlich doch sehr interessante Erfahrung war für mich einer der Gründe zurückzukehren und bestärkt meinen Wunsch, den Betrieb zukünftig auch als Mitgesellschafter weiter gemeinsam mit meinen Kolleg*innen zu gestalten.“

Es wird zu einem Generationsübergang kommen. Nachdem in den letzten 20 Jahren die Vollzeitarbeitsstellen von acht bis auf zwölf angewachsen waren, stabilisiert sich die Firma heute bei sieben Vollzeitarbeitsstellen. Von den zehn Personen, die aktuell größtenteils in Teilzeit in der Druckerei arbeiten, sind acht über 55 Jahre alt. Die mit dem Älterwerden und auch Krankheiten verbundenen betrieblichen Probleme werden nicht durch Entlassungen abgefedert, sondern in gemeinsamer sozialer Verantwortung getragen. Mit diesem Zusammenhalt sind hansadruck und seine Mitarbeiter*innen auch vergleichsweise unbeschadet durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie gekommen. Kurzarbeit wird aufgestockt. Auch diesbezüglich hebt sich hansadruck in mancher Hinsicht auch heute noch von den realen Härten der ‚normalen‘ Arbeitswelt ab.